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Mein Warum... Mamas Story


Meine Mutter, mein Lieblingsmensch, zu dieser Zeit 59 Jahre alt. Sie erlitt einen epileptischen Anfall beim gemütlichen Samstagsfrühstück im Januar. Direkt nach dem ersten Kontroll – MR in der Klinik war klar: Da ist etwas im Kopf was da eigentlich nicht hingehört. Nach zermürbenden Wochen des Wartens auf die Ergebnisse der Biopsie: Absolut gemein! Eine aggressive Form des Hirntumors, ein Glioblastom, laut unserem Wissensstand zu dieser Zeit unheilbar. Diese Diagnose haute der behandelte Neurochirurg meiner Mutter am Rosenmontag ungefiltert um die Ohren. Nur eine Kölnerin kann die Dramatik vielleicht verstehen. Furchtbar unsensibel, wenn eine kranke Person so vor vollendete Tatsachen gestellt und mit den Worten: „Gehen sie heim und regeln sie ihre Angelegenheiten!“ ohne psychosoziale Betreuung mit einer schlimmen Diagnose

konfrontiert wird. Meine Mama war geschockt - depressiv schon fast. Obwohl sonst ein total optimistischer Mensch, war es für sie sehr schwer, die Diagnose in dieser Situation zu verkraften.

Wir fanden wenig Menschen, die uns Hoffnung machten und Mut zu kämpfen. Der Hausarzt riet

noch auf der Türschwelle zur Hospizversorgung und verschrieb nur unter Druck Ergotherapie für ihre Hand. Diese war seit dem ersten Anfall teilweise gelähmt. Darüber hinaus litt sie an fokalen epileptischen Anfällen, die schwer medikamentös einzustellen waren.

Die Diagnose hing wie ein dunkler Schatten über unserer Familie. Zu dieser Zeit lebte mein Bruder, gerade fertig studiert noch mit meiner Mutter. Ihn überforderte die Situation genauso wie mich. Meine Mutter machte zu dieser Zeit das meiste mit ihm aus, was mich kränkte. Später sagte sie mir mal: „Ich wusste, dass ich deine Hilfe noch brauchen würde.“ da verstand ich besser. Mein Bruder suchte zu dieser Zeit mit ihr nach Wohnungen für betreutes Wohnen. Ich war der Meinung, dass wenn die Krankheit schnell voranschreiten würde, diese Art von Betreuung schnell nicht ausreichen würde. Ich konnte es so meiner Familie aber nicht

sagen. Zu schmerzhaft. So schwiegen wir uns an um uns gegenseitig zu schonen. Nicht so toll, wie ich heute weiß. Mein Bruder zog bei meiner Mutter aus. Sie ging in Reha, wir renovierten ihre Wohnung und wollten es für sie richtig schön machen. Im März bin ich schwanger. Ein Riesenglück für mich und meine Mama. In ihr

erwacht neue Hoffnung und Ehrgeiz, ihren ersten Enkel noch zu erleben.

Im Frühling fahren wir zur Bestrahlung und Chemo in die Kölner Uniklinik immer in meiner Mittagspause,

mega stressig und traurig als sich beim anschließenden MRT zeigt: Die Therapie schlug nicht so erfolgreich an, wie wir erhofft hatten. Eine von meiner Mutter gewünschten OP im August lässt eine Halbseitenlähmung zurück. Wir müssen nach katastrophalen pflegerischen Zuständen in der Frühreha schneller entscheiden,

ob wir häusliche Pflege stemmen können und wollen. In den Kliniken leidet sie unter Angstzuständen und ist furchtbar einsam. Wir holen sie in einer Nacht und Nebelaktion nach Hause.

Im Nachgang erinnere ich mich nur noch, wie ich tagsüber zwischen Krankenhaus und Fitnessclub hin und her hetzte und nachts das Internet nach brauchbaren Ratschlägen, Tipps und am besten noch hoffnungsvollen Berichten durchforstet habe. Leider gab es ganz wenige. Eine Klientin aus meinem Sportclub, Intensivkrankenschwester und Expertin für Kinästhetik zeigte mir die Grundlagen des richtigen Lagerns. Für die Pflege einer Frau mit Hemiplegie absolut wertvoll. Schließlich war ich auch schwanger und

sollte gar nicht so schwer heben. Wir lebten uns zu Hause recht gut ein. Ich kündigte meine Wohnung, zog bei Mama ein und versorgte sie. Es lief so gut und positiv, dass wir im Herbst eine neurologische Reha beantragten. Diese wurde erstmal abgelehnt. Erst nach einem anwaltlichen Brief wurde sie

bewilligt. So checkte Mama im Oktober in eine Rehaklinik in unserer Nähe ein und ich hoffte auf eine Entlastung für mich kurz vor der Geburt meines Babys. Aber Mama wollte nicht allein dort bleiben. Sie zeigte sich streckenweise verwirrt und verzweifelt. Sie litt an schweren Alpträumen und war wahnsinnig hilflos

eine ganz schlimme Zeit. Nach zwei oder drei Wochen brachen wir die Reha ab und Mama wurde wieder nach Hause gebracht langsam begriff auch ich, wie unwahrscheinlich es sein würde meine alte Mama zurückzubekommen. So lernte ich in den folgenden Monaten, sie palliativ zu pflegen und es ihr besonders

schön zu machen. Wir erlebten ein schönes Weihnachtsfest nach der Geburt unseres Christkindes am 12.12., meinem Sohn Paul. Einen wunderschönen Frühlingsanfang im April bis sie dann am 11. April starb.

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